Schlank mit Protein? Was steckt dahinter?

Wer kennt sie nicht die Diät-Shakes von Almased, Herbalife, Beavita, Slimfast und Freunde. Abnehmen im Schlaf – ganz ohne Hungern. Doch was steckt hinter diesen Wunderwaffen der Industrie? Funktionieren diese Shakes oder ist das nur gutes Marketing? Schauen wir uns zunächst mal die Zutaten genauer an.

  • Almased bedient sich mit 50% Sojaprotein einer, sagen wir mal, günstigen Eiweißquelle. Gesüßt wird hier mit Honig (25%). Für die Cremigkeit wird u.a. Magermilch-Joghurtpulver verwendet. Weitere Zutaten bringen noch ein paar Mineralien, Farbe und Vitamine ins Spiel.

  • Slimfast arbeitet mit Milchpulver, Milchproteinen, Maltodextrin und Sucralose als Süßungsmittel. Maltodextrin (Polysaccharid) liefert dem Shake die Kohlenhydrate. Für die angenehme Konsistenz wird das Verdickungsmittel Xanthan verwendet. Ferner findet man auch hier Aromen und färbende Zutaten für den Geschmack und das Auge.

  • Beavita setzt wie Almased auf Sojaprotein (45%). Gesüßt wird auch hier mit Honig. Die zusätzlichen Kohlenhydrate stammen auch in diesem Shake vom Maltodextrin. Für eine stabile Konsistenz sorgt Johannesbrotkernmehl und Flohsamenschalen. Zudem auf der Zutatenliste noch Aromen, färbende Lebensmittel, Vitamine und Mineralien, wie bei allen anderen Diät Shakes.

  • Bei Herbalife bietet sich das fast identische Bild. Soja-Eiweiß (40%), Fructose (Kohlenhydrate mit hoher Süßkraft) und vier verschiedene Verdickungsmittel. Zu den weiteren Füllstoffen, Aromen, Vitaminen und Mineralstoffen gesellen sich noch u.a. Milcheiweißkonzentrat und Traubenzucker.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die vier Big Player im Diätgeschäft relativ ähnliche Strategien bei den Zutaten verfolgen. Das sind zum einen hohe Proteinwerte, bei mittleren Kohlenhydratwerten und geringen Fettkonzentrationen (unter 10%). Die Proteinwerte liegen zwischen 35% und 51%. Nur Slimfast liegt beim Protein mit nur ca. 14% deutlich unter diesem Niveau.

Analysiert man noch die zahlreichen weiteren „Abnehm-Shakes“ anderer Hersteller findet man durch die Bank in erster Linie reine Protein-Shakes, also extrem hohe Proteinkonzentrationen (70-80% Proteingehalt). Der Proteingehalt scheint also der Schlüssel zum Erfolg zu sein.
Bestätigung findet diese Aussage, wenn wir einen Blick auf eine Wettkampfdiät von Bodybuildern und Gewichthebern werfen, die mit dem Ziel Gewichtsverlust durch Fettverlust bei Erhalt von Muskelmasse in eine Diät starten. Bei diesen Diäten werden ebenso die Proteine in den Fokus der Nährwertberechnung gerückt. Viel hochwertiges Protein bei reduzierten Kohlenhydraten und minimalen Fettanteil. Also im Prinzip sehr ähnlich den oben genannten Diät-Shakes.

Doch was steckt hinter dieser Strategie, also wie kann man mit Hilfe von Proteinen sinnvoll und nachhaltig abnehmen?

Verantwortlich sind hier drei wesentliche Effekte:

Effekt 1: Proteine sind schlechte Energieträger
Proteine bestehen hauptsächlich aus Aminosäuren. Diese werden im Körper als Baustoffe verwendet. D.h. es werden Strukturen wie Muskeln, Fasern und andere Zellen aufgebaut. Zudem gibt es noch eine ganze Reihe weiterer essentieller Aufgaben der Aminosäuren im menschlichen Körper (siehe Link „Proteine“). Die Energiegewinnung durch Proteine ist jedoch grundsätzlich nicht vorgesehen und für den menschlichen Organismus umständlich und wenig ökonomisch. Daher werden überflüssige Proteine auch nicht so leicht als Energiereserve umgewandelt und als Fettpolster unschön abgelegt. Überflüssige Proteine werden zum Großteil als Harnstoff ausgeschieden.

Effekt 2: Proteine haben einen schlechten Wirkungsgrad
Kohlenhydrate und Protein liefern grundsätzlich pro Gramm ca. 4 kcal. Haben damit auf dem Papier den gleichen Brennwert im Organismus. Beim Protein geht aber bis zu 30% des Brennwertes durch Umwandlung in Wärme verloren. Das nennt man Thermogenese oder den thermischen Effekt, der den Wirkungsgrad negativ beeinflusst. Um es verständlicher zu machen, folgendes Beispiel: Bei der Aufnahme von 100 g Kohlenhydraten nehmen wir einen Brennwert von (4,1kcal x 100) 410 kcal zu uns. Bei gleicher Menge Protein (4,1 kcal x 100) also den gleichen Brennwert von 410 kcal, wovon bis zu 30% durch Stoffwechselvorgänge verloren gehen. Es bleiben also nur noch ca. 315 kcal als netto Brennwert übrig.

Effekt 3: Proteine regen den Stoffwechsel an und wirken sättigend
Proteine werden gerne auch als Stoffwechselturbo bezeichnet. D.h. die Aufnahme von proteinreichen Mahlzeiten beschleunigt unseren Stoffwechsel. Die Verbrennungsmaschine im Körper läuft auf Hochtouren und verbrennt damit mehr Treibstoff (zusätzliche Kohlenhydrate und Fett). Zudem wirken Proteine stark sättigend. Ebenso ein Vorteil, wenn man Kalorien reduziert und Ballast loswerden möchte.

Abschließend kann man also sagen, dass „Schlank mit Protein“ zutrifft, wenn man es richtig anstellt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man tierische oder pflanzliche Proteine zu sich nimmt. Wichtig ist, dass die Proteine hochwertig sind und alle essentiellen Aminosäuren enthalten. Als Verfechter veganer Nahrung empfehlen wir natürlich pflanzliche Proteine.

Aber aufgepasst: „viel bringt viel“ wäre jetzt die falsche Strategie. Je nach körperlicher Konstitution und persönlicher Aktivität liegt der empfohlene Proteinwert zwischen 0,8 und max. 1,8 g/kg Körpergewicht. Zudem muss immer die persönliche Gesundheit im Vordergrund stehen. Eine ausgewogene Ernährung kann niemals durch Diät-Shakes oder einseitige Protein-Mahlzeiten ersetzt werden. Protein-Shakes sind daher eher als Ergänzung oder Ersatz einer einzelnen Mahlzeit anzuraten. Viele ersetzen z.B. das Abendessen durch einen Protein-Shake. Das macht Sinn und fördert zudem die Regeneration der Muskeln. Ob ein Diät-Shake eines der oben genannten Firmen oder ein Protein-Shake aus dem Sportstudio – das bleibt jedem selbst überlassen. Entscheidend für eine geplante Gewichtskontrolle ist nur der Proteingehalt. Auf Füllstoffe und Verdickungsmittel kann jedoch mit gutem Gewissen verzichtet werden.

Wer sich jetzt etwas mehr Proteine der natürlichen Art auf seinem Speiseplan wünscht wird hier fündig: