Die Milch macht's? Der Faktencheck

In den 50‘ern entstand der Slogan „Die Milch macht’s“. Mit großzügiger staatlicher Förderung wurde die kollektive Zwangswerbung über Jahrzehnte in die Köpfe der Verbraucher gebrannt. Die Milch galt als gesundes, natürliches Nahrungsmittel, das groß und stark macht und als Kalziumlieferant prädestiniert ist. „Alle Kinder müssen Milch trinken“, so der Tenor gesundheitspolitischer Entscheider an vorderster Front der Regierung. Bestes Beispiel für diese staatlich verordnete Konsumpolitik ist heute noch die hoch subventionierte Schulmilch.

Milchgegner behaupten, die Milch macht krank und hat in der Ernährung für Menschen jenseits des Säuglingsalters nichts zu suchen. Die Verunsicherung wächst und gerade der Milchzucker (Lactose) kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus.
Ich möchte euch hier einen kleinen Überblick verschaffen und die Milch und Milchprodukte etwas durchleuchten.

Zu den Fakten
Insgesamt 85 Kilogramm Frischmilcherzeugnisse, davon etwa 70 Liter Milch, nimmt jeder Deutsche im Jahr zu sich, so die offizielle Statistik. Sportler, vor allem Kraftsportler und Bodybuilder erreichen locker über 120 Liter Milch, wenn man diverse Supplements wie Whey oder Milchproteine mit rechnet. Damit sind wir Weltspitze. Kritiker sind sich einig, dass unser Verhalten paradox ist. Sind wir doch die einzigen Lebewesen, das Milch im Erwachsenenalter von anderen Tieren konsumieren. Und das, obwohl wir den Milchzucker ursprünglich nicht wirklich verdauen können.

So finden sich Hinweise in einem Artikel vom 5. Februar 2015 von Utopia:

1. Milch ungesund aufgrund Krankheiten

Milch ist reich an guten Inhaltsstoffen. Neben Kalzium enthält sie viele Vitamine, Magnesium, Jod und Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Ein gesundes, ausgewogenes Getränk. Doch hier ist schon der erste Fehler. Denn Milch ist keinesfalls nur ein Getränk, sondern kann durch seine hohe Nährstoffdichte als Grundnahrungsmittel bezeichnet werden. Milchgegner behaupten zudem felsenfest, dass Milch krank macht. Sie könne Allergien, vor allem bei Säuglingen auslösen, zu chronischen Infekten führen, Hautprobleme und Neurodermitis hervorrufen, Asthma, Diabetes und sogar Krebs fördern. Grund dafür könnten die artfremden Proteine in der Milch sein, gegen die sich der Körper wehrt. Vielen dieser Krankheitsfälle mag vielleicht eine Milchallergie zugrunde liegen. Einige Fragen sind jedoch bis heute ungeklärt.

2. Milch ungesund aufgrund Laktoseintoleranz

Was in Deutschland als Krankheitsbild auftritt, ist auf vielen Kontinenten ganz normal: Milchunverträglichkeit. 75% der Weltbevölkerung sind laktoseintolerant. Wenn dem Körper das Enzym Laktase fehlt, welches den Milchzucker (Laktose) in verdauliche Bestandteile spalten soll, spricht man von einer Laktoseintoleranz. Deutschlandweit betrifft dies 15 Prozent der Menschen, doch weltweit betrachtet ist eine Milchverträglichkeit eher die Ausnahme. In Asien und Afrika beispielsweise kann gerade mal ein Prozent der Einwohner Milch verdauen.

Die vielen tierischen Proteine in der Milch können im Körper und im Blut zu Übersäuerung führen. Um diese zu neutralisieren, braucht der Körper wiederum Kalzium, was er dann aus den Knochen entnehmen muss. Dieser Kalziumverlust kann die Ursache für Osteoporose darstellen. Und das, obwohl ja behauptet wird, Milch beuge der Krankheit vor. Das Verhältnis von Aufnahme und Verlust von Kalzium ist also wesentlich wichtiger als die reine Aufnahme des Mineralstoffes. Denn wie Milchgegner argumentieren, entsteht Kalziummangel nicht dadurch, dass man zu wenig Milch trinkt, sondern zu viele saure Lebensmittel, wie Kaffee, Cola, Alkohol, Fleisch, Milchprodukte und Süßigkeiten zu sich nimmt. Im Gegenzug enthalten viele pflanzliche Proteinquellen Kalzium und können den Bedarf an diesem Mineralstoff ausreichend decken. Ganz oben stehen dabei grünes Blattgemüse, Brokkoli, Bohnen, Soja, Nüsse und Getreide. Auch kann pflanzliches Eiweiß vom Körper besser verstoffwechselt werden und senkt den pH-Wert nicht in den sauren Bereich. Pflanzliche Proteine wirken daher basisch.

3. Ist Bio-Milch die bessere Alternative?

Viele glauben, Bio-Milch zu trinken ist ein guter Kompromiss. Sie stammt nicht nur aus biologischer Landwirtschaft, sondern ist auch noch gesünder als konventionelle Milch. Das stimmt, enthält Bio-Milch doch dreimal mehr Omega-3-Fettsäuren und mehr Vitamine, dafür weniger Schadstoffe als konventionelle Milch. Aber ist die Kuh, der man die leckere Bio-Milch zu verdanken hat, wirklich „glücklich“? Vielleicht stimmt die Aussage, dass Bio-Kühe ein freudigeres und leidarmes Leben führen. Doch was sie nicht von den Tieren aus Massenhaltung unterscheidet: Auch sie müssen jährlich kalben, werden teilweise künstlich befruchtet, vom Kalb kurz nach der Geburt getrennt und enden nach ihrem Job als Milchproduzenten im Schlachthof. Ganz zu schweigen von den Kühen aus konventioneller Landwirtschaft. Bis zu 40 Liter Milch geben die Turbokühe am Tag (normal wären etwa acht). Um diese Höchstleistungen zu erzielen, bekommen sie Kraftfutter, werden dauerschwanger gemacht und leiden an verschiedenen Krankheiten, wie Euterentzündungen, die schließlich mit Antibiotika behandelt werden. Davon hat dann auch der Mensch was, wenn er die Milch zu sich nimmt. Eine Kuh könnte 20 Jahre alt werden. Doch der Hochleistungsapparat muss nur etwa fünf Jahre durchhalten, bevor er dann zum Schlachter geführt wird.
(Quelle utopia.de)

In einem Artikel der Zeitschrift Geo Wissen Ernährung Nr. 4 wird auf das Thema Milch und Milchprodukte in Zusammenhang mit Entzündungsreaktionen im Körper eingegangen. Demnach  lassen aktuelle Untersuchungen daran zweifeln, dass Milch und Milchproteine uneingeschränkt empfehlenswert sind. Es wird beschrieben, dass ein hoher Konsum zu Entzündungsreaktionen im Körper führt und womöglich Alterungsprozesse beschleunigt.

Interessant ist auch der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milchprodukten und der Entstehung von Akne und Hautkrankheiten. Forschungsergebnisse beschrieben im American Journal of Dermatology, dass Milchtrinker ein um 44 Prozent erhöhtes Risiko haben, Hautprobleme in Form von Akne zu entwickeln.
(Quelle Zentrum der Gesundheit vom 02.04.2019)

Um bei den möglichen gesundheitlichen Folgen vom Milchkonsum zu bleiben möchte ich aus einem Bericht von der Stiftung Warentest vom 27.09.2017 zitieren. „Während Frauen von Milch tendenziell gesundheitlich profitieren, sieht es bei Männern bei einer Krebs­art anders aus: Der Studien­lage zufolge erhöhen sehr hohe Mengen Milch wahr­scheinlich das Risiko für Prostata­krebs. Das MRI berechnete, dass das ab einer Aufnahme von 1,5 Gramm Kalzium am Tag relevant wird. So viel Kalzium enthalten beispiels­weise 1,25 Liter Milch oder 140 Gramm Hartkäse. Männer sollten daher Milch und kalziumreichem Käse nicht in rauen Mengen zu sich nehmen. Kalziumreiche Käsesorten sind zum Beispiel Greyerzer und Parmesan oder auch Gouda und Tilsiter.“

Macht also Milch müde Männer munter, wie ein CMA-Slogan so schön in die Welt posaunt? Oder machen uns Milch und deren Produkte einfach nur krank? Ich denke so einfach lässt sich das Ganze nicht beantworten. Die Milch-Lobby ist extrem stark und zu jeder kritischen Studie wird man auch eine Studie finden, die das Gegenteil behauptet. Interessant ist dabei die Frage, wer die Studie finanziert hat bzw. wer der Auftraggeber ist. Da es keine echte Lobby der Milchgegner gibt, lohnt sich also der Blick hinter die Kulissen.

Fakt ist, die Milchprodukte machen uns nicht munter und leistungsfähig. Das kann jeder selbst mal testen. Man nehme 250g Magerquark, reich an Milchproteinen und gehe direkt im Anschluss sportlich laufen. Sehr schnell stellt man fest, dass die Leistung rapide in den Keller geht und die harte Verdauungsarbeit uns alle Energiereserven entzieht. Als Einschlafhilfe dienen Milchproteine in Form von Shakes, Quark oder anderen Formen allemal. Denn Milchprodukte machen uns müde. Das ist meine Erfahrung aus 40 Jahren Sport & Ernährung.

Anders schaut es bei den pflanzlichen Proteinen aus. Gerade Proteine vom Reis, Erbsen, Hanf etc. führen zu keinerlei Ermüdung und versorgen zudem unseren Organismus mit allen notwendigen Aminosäuren. Zudem enthalten diese Pflanzenproteine kaum Fett, kein Cholesterin und keine Arzneirückstände, die bei der Milchkuh gerne verwendet werden. Wertvolle Ballaststoffe, Mineralien und Vitamine sollen dabei nicht unerwähnt bleiben.
Und wer noch was für den Tierschutz und die Ökobilanz übrig hat, ist bei den pflanzlichen Proteinen deutlich besser bedient als mit Molkenproteinen, Milchproteinen oder anderen Milcherzeugnissen.

(Dipl.-Ing. Thomas Neff)